Pressebericht

Nahid Shahalimi stellt in Wiesbaden ihr Buch über afghanische Frauen vor

 
Wiesbadener Kurier 5.5.2017

Von Volker Milch

WIESBADEN - Nahid Shahalimi, Jahrgang 1973, hat nach dem Tod ihres Vaters Afghanistan 1985 verlassen: „Wir sind nicht nur wegen des Krieges geflohen. Wir sind geflohen, weil wir Frauen sind.“ Was diesen in ihrem Heimatland angetan werden kann, erzählt die Autorin während ihrer Lesung im Projektraum von „Angekommen – Perspektiven für Flüchtlinge“. Die monströse Ermordung der Studentin Farkhuhnda Malikzada, die vom Mob gelyncht wurde, nachdem man ihr eine Koran-Verbrennung unterstellt hatte, ist das grausamste Schicksal aus Nahid Shahalimis Buch „Wo Mut die Seele trägt“.

Diese Geschichte kommt wie ein Schlag nach einer nostalgischen Erinnerung an die Kindheit in einer 37-Zimmer-Villa und an ein Land, in dem Frauen Universitäten besuchen konnten, ohne sich in Lebensgefahr zu begeben. „Afghanistan war viel weiter, hatte viel mehr Ministerinnen als der Westen“, meint die Autorin. Dann ist das Land in Jahrzehnten des Krieges versunken, „für immer und ewig verändert“.

Aber der Tochter eines Ministers, die sehr lebendig erzählen kann, geht es in ihrem Buch weniger um Trauerarbeit als um die „positive Seite“, die in der üblichen Afghanistan-Berichterstattung nicht vorkomme. Sie möchte in dem reich illustrierten Band „richtige Kämpferinnen“ porträtieren, die bewusst in ihrem Land bleiben und damit auch große Risiken eingehen. Dabei ist das Spektrum denkbar breit zwischen der „ganz süßen“ Aziza, die sich schon im zarten Alter von zehn Jahren für bessere Lebensbedingungen von Inlandsflüchtlingen eingesetzt hat, und der Brigadegeneralin Khatol, der ersten Fallschirmjägerin der Afghanischen Nationalarmee. Dazwischen eine Unternehmerin, eine Pilotin oder die Dirigentinnen Negin Khpalwak und Zarifa Adiba, deren Mut die Autorin sprachlos gemacht hat. Die Musikerinnen sind erst 17 und 19 Jahre jung, und ihr Musikinstitut sei potenzielles Taliban-Ziel. Die Extremisten hatten einst alle Instrumente verbrannt und Musik verboten. „Die haben es satt, unterdrückt zu werden“, sagt Nahid Shahalimi zum Mut vieler Frauen in Afghanistan.

Auf die Frage, wie sie vor dem Hintergrund der aktuellen Abschiebe-Praxis die Sicherheitslage einschätze, entgegnet sie nach 15 Recherche-Reisen für ihr Buch: „Ich fühle mich nicht sicher in Afghanistan. Und ich habe verdammt gute Kontakte!“

 

Lesung mit NAHID SHAHALIMI

 
"WO MUT DIE SEELE TRÄGT"
          WIR FRAUEN IN AFGHANISTAN
 
 
Nahid Shahalimi liest und spricht am Mittwoch,
den 3.5. um 19.30 Uhr in den Räumen von ANGEKOMMEN -
Kleine Schwalbacher Straße 3-5
 

Eintritt 9 Euro / 7 Euro

Geflüchtete haben freien Eintritt

Die Lesung findet in deutscher Sprache statt.
Die Autorin spricht Dari, Französisch, Englisch
Foto: Mila Pairan Photography
 
Nahid Shahalimi wurde in Afghanistan geboren, floh in den 1980er-Jahren mit ihrer Mutter und ihren Schwestern nach Kanada und lebt seit 2000 in München. Für dieses Buch ist sie nach Afghanistan gereist, hat Frauen und Mädchen getroffen und mit ihnen über Träume, Mut, Trauer und Lebensfreude gesprochen. Wir erfahren von Skateboard fahrenden Mädchen; von Frauen, die im Krieg gekämpft haben oder sich politisch engagieren ohne Angst; aber wir hören auch von Frauen, die Opfer wurden und deren Familien erzählen. Obwohl der Weg dieser Frauen gefährdet ist, ist die Autorin auf eine Welt der Hoffnung gestoßen. Shahalimi erzählt authentische und beeindruckende Lebensgeschichten voller Stärke und Zuversicht.
 
Veranstalter: Eine-Welt-Zentrum Wiesbaden e.V. und Flüchtlingsrat Wiesbaden e.V.

VORANKÜNDIGUNG

28.11.2017, 19.30 Uhr

Literaturhaus Wiesbaden

 

PABLO NERUDA, Texte und Gedichte, Teil II

Armin Nufer liest, Uwe Oberg klaviert

 

 

 

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